Hintergrund

Die Patientenversorgung im deutschen Gesundheitswesen wird jährlich von insgesamt 378.608 Medizinern* und Psychotherapeuten sichergestellt; davon sind 201.334 im (teil-)stationären und 185.506 im ambulanten Bereich tätig [1]. Oft versorgen dabei Hausarzt, diverse niedergelassene Fachärzte und Psychotherapeuten sowie z.T. auch Krankenhausärzte den gleichen Patienten. Aufgrund der sektoralen Trennung und der daraus resultierenden ausbaufähigen, intersektoralen Vernetzung wissen die Ärzte und Psychotherapeuten jedoch in vielen Fällen nicht, welche Ärzte der Patient noch aufsucht. Es wird angenommen, dass die fehlende Vernetzung Folgen wie Polypharmazie, Doppeluntersuchungen, aber auch eine unzureichende Weiterversorgung nach Klinikentlassung begünstigt.

So wurden im Jahr 2014 bspw. ein Drittel aller entlassenen Herzinfarktpatienten innerhalb von 365 Tagen wieder in die Klinik eingewiesen [2]. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass bei einem Teil der stationär behandelten Krankenhausfälle eine Behandlung im ambulanten Sektor ausreichend sein könnte [3]. Die Strukturen im deutschen Gesundheitswesen bieten somit verschiedene Ansätze mit Potential zur Verbesserung der Patientenversorgung. Ein möglicher Ansatz zur Steigerung der Versorgungsqualität ist eine Förderung der patientenzentrierten, sektorübergreifenden Vernetzung und Zusammenarbeit.

[1] Mischkalkulation auf Basis von Daten der Bundesärztekammer (2016): Ärztestatistik 2016: Die Schere zwischen Behandlungsbedarf und Behandlungskapazitäten öffnet sich.  Und der Bundespsychotherapeutenkammer (2016): Psychotherapeutendatei (Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten).

[2] Mischkalkulation auf Basis von Daten der TK, AOK und Destatis: Aus dem Krankenhaus entlassene vollstationäre Patientinnen und Patienten 2014 nach Hauptdiagnosen, Berichtsjahr 2014.

[3] Sundmacher, L. & Schüttig, W. (2016). Krankenhausaufenthalte infolge ambulant-sensitiver Diagnosen in Deutschland. In: J. Klauber, M. Geraedts. J. Friedrich & J. Wasem (Hrsg.). Krankenhaus-Report 2016, 149-160.

Projektziel

Ausgehend von der Annahme, dass innerhalb einer Region oftmals ein informelles Versorgungsnetz, bestehend aus mehreren Ärzten und Psychotherapeuten, an der Patientenbehandlung beteiligt ist, hat sich das Innovationsfondsprojekt „Accountable Care in Deutschland“ die Förderung der regionalen Zusammenarbeit zwischen den Arztpraxen und psychotherapeutischen Praxen sowie den Krankenhäusern zum Ziel gemacht. Durch transparente, aktive Vernetzung der Haus- und Fachärzte sowie weiterer Akteure des Gesundheitswesens soll die kontinuierliche Versorgung gemeinsam behandelter Patienten gestärkt werden.

Eine kontinuierliche Versorgung beinhaltet beispielsweise regelmäßige Kontrolluntersuchungen bei den entsprechenden Haus- und/oder Fachärzten, eine auf die Behandlung abgestimmte Medikation oder auch eine Sicherstellung der Weiterversorgung nach einem stationären Aufenthalt. In diesem Zusammenhang möchte das ACD-Projekt nicht nur die interdisziplinäre Netzwerkzusammenarbeit im Allgemeinen fördern, sondern auch ganz spezifisch die unterschiedlichen Herausforderungen und Potentiale eines jeden Netzwerkes adressieren.

Wie wird die Intervention ablaufen?

Für die Durchführung der Intervention im Rahmen von Accountable Care in Deutschland (kurz ACD) werden in den vier KV-Regionen Hamburg, Schleswig-Holstein, Westfalen-Lippe und Nordrhein auf Basis von pseudonymisierten Routinedaten Netzwerke von Ärzten und Psychotherapeuten identifiziert, welche regelmäßig gemeinsam eine relevante Anzahl von Patienten mit bestimmten Erkrankungen (u.a. Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes, COPD, Depression) versorgen, sogenannte informelle Netzwerke.

Diese Ärzte und Psychotherapeuten werden anschließend zu Netzwerktreffen eingeladen, um sich über die Versorgung in ihrem Netzwerk auszutauschen und spezifische Behandlungspfade mit lokaler Relevanz für die Versorgung ihrer Patienten zu entwickeln. Als Unterstützung für die interdisziplinäre Zusammenarbeit erhalten die Netzwerke regelmäßig netzwerkspezifische Informationen zu verschiedenen Indikatoren und werden durch einen ärztlichen Moderator begleitet. Während der zweijährigen Projektlaufzeit werden je Netzwerk vier dieser Treffen stattfinden.

Das Projekt wird von lokalen Interventionsteams koordiniert, welche vor Ort bei den Kassenärztlichen Vereinigungen Hamburg, Schleswig-Holstein, Westfalen-Lippe und Nordrhein zudem als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in der folgenden Ausarbeitung auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezogene Bezeichnungen gelten für beiderlei Geschlecht. 

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